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New Old Luten Quintet:
Rabatz!

(EUPH 057)

Ernst-Ludwig Petrowsky - as, cl, r-fl
Elan Pauer - p, perc
John Edwards - b
Robert Landfermann - b
Christian Lillinger - dr, perc

01 Lutens letzter Rabatz! (46’46)

Das Wunder des Spätwerks - hier entfaltet es sich mit eruptiver Kraft, sprudelnder Kreativität
und exzessiver Energie. Im spontanen, ebenso sensiblen wie herausfordernden Zusammenspiel
steigerte sich das Quintett in Gefilde von flammender Intensität.

Bert Noglik, Preis der Deutschen Schallplattenkritik

Petrowsky hat mit diesen Einspielungen seine Lebensleistung gekrönt.
Es ist ungezähmte, ständig sich verändernde Musik. Immer spannend, risikoreich und radikal.

Jörg Konrad, Kulturkomplott

Full-Power-Hardcore-Free-Jazz mit abenteuerlichsten Klangkombinationen.
Ein Soundtrack für das Kino im Kopf, für schnell wechselnde, sich überlagernde
Bildsequenzen mit unterschiedlichsten Emotionen, Visionen und exzessiven Eruptionen.

Rainer Bratfisch, Jazzpodium

Throughout the music surprises by its energy and dynamics combined
with its richness of expression and vocabulary. Petrowsky impresses with his very dedicated playing. Sometimes squeaking, sometimes howling. He is nothing holding back, but totally goes for it;
vulnerable and exuberant. A crown on his career. A monument.

Dolf Mulder, Vital Weekly

Spielfreude, Spielwitz und Energie. Ein Höhepunkt nach dem anderen.
Man staunt ab einer gewissen Zeit einfach nur noch. Überhaupt: Was für Energielevels
hier erreicht werden! Einfach sagenhaft! Die Hörer werden dauerelektrisiert,
aus dem Sessel gerissen, die Haare stehen im allerpositivsten Sinn zu Berge.
Damit kann man im antarktischen Winter mühelos das Biwak heizen.
Petrowsky & Co. bescheren absolute Sternstunden!!!

Bertl Grisser, freistil

Es ist ein wirklich großes Finale. Was für ein Spätwerk! Petrowsky in EUPHORIUM. 2013-15: drei Jahre in Folge das Quintett am selben Ort. Lutens 80., 81. und 82. Geburtstag. Die selben Musiker, die selben Instrumente, der selbe Aufnahmeingenieur, der selbe Mischer. Das selbe Design. Herzlichen Glückwunsch! Und nun toppt die Musik des Rabatz! die vorangegangenen Teile! Luten ist in Bestform. Die Gruppe sowas von eingespielt! Ein abenteuerlicher Ritt mit diesem grandiosen Musiker, der trotz unverblümtem Bekenntnis zum harten Kern des Free Jazz diesen doch so sensibel und vielgestaltig prozessieren lässt, dass man nur glücklich lächeln und ungläubig staunen kann. Nach dem Letzten Tumult! und dem Letzten Krawall! ist Lutens letzter Rabatz! tatsächlich des Alten letztes Quintett. Wir hören Lutens letzten Ton. Wobei: an jenem Abend spielten wir uns ohne Kontrabässe warm ‒ das Trio: Lutens letzter Radau!; zum Schluss: hören Sie, wie Luten von weiteren Bläsern flankiert zum letzten Remmidemmi bläst! Quer zum Schlussstein des Tryptichons hat sich ein zweites hinzugesellt!

Format: CD
Price: 17,99 €
ISBN: 978-3-944301-41-9
Ordering: oliverschwerdt@euphorium.de

 

Begleittexte:

 

Reviews:

Der Abend im Leipziger Kult-Club nato gehörte am 13. Dezember 2015 ganz Ernst Ludwig Petrowsky. Der Saxophonist präsentierte wenige Tage nach seinem 82. Geburtstag drei Besetzungen und machte, selbst in Bestform, deutlich, wie tiefgründig die „flüchtige“ Kunst des Improvisierens sein kann. Petrowsky pur, das bedeutet: Unberechenbarkeit, Hingabe, Intellekt, musikalische Kompetenz auf höchstem Energielevel umgesetzt. Urs Leimgruber, der Schweizer Holzbläser, urteilte über den Abend, dass die Musik ihn an die Strahlkraft des legendären John Coltrane Quintets mit Pharoah Sanders erinnerte.
Petrowsky hat mit diesen Einspielungen seine ohnehin schon legendäre Lebensleistung zusätzlich gekrönt - im Trio (mit Elan Pauer und Christian Lillinger), im Quintett (Trio plus John Edwards und Robert Landfermann am Bass!), im Septett (Quintett plus Urs Leimgruber und Axel Dörner). Es ist ungezähmte Musik, die er mit seinen Mannen bändigt, ständig sich verändernde Musik, mal klar strukturiert, mal frei von allen Konventionen. Aber immer spannend, risikoreich und radikal. In allem, was Petrowsky spielt, ist eine immense Dynamik spürbar, ist ein stetiger musikalischer Veränderungsprozess akustisch nachvollziehbar. Hier gehen Sozialisation und Weltsicht, Konzentration und kreative Unruhe Hand in Hand. In seinen Formationen ist, wie im vorliegenden Fall, stets ein konsequent umgesetztes Gruppengeflecht von Einzelstimmen zu erleben. Ebenso spontan wie kompositorisch durchdacht.
Zu allen Besetzungen in Leipzig gehörten Pianist Elan Pauer alias Oliver Schwerdt und Schlagzeuger Christian Lillinger, der erst im letzten Jahr den SWR-Jazzpreis erhielt. Allein dieses eineinhalb Generationen jüngere Duo strotzt nur so vor Ideenreichtum und rhythmischer Finesse. Beide geben der Musik ständige Impulse, nehmen die Motive Petrowskys auf, entwickeln sie weiter, lenken sie in andere Richtungen – bis Neues entsteht. Sie sind ebenso hervorragende Solisten, wie empathische Sideman. Und sie tragen Petrowskys Gedanken auch in die Quintett- und Septett-Besetzungen, halten die Musik zusammen, oder lassen einfach los und schaffen so Raum für beispielhafte Improvisationen. Ganz dem Ausspruch des britischen Gitarristen Derek Bailey verpflichtend: „Wenn eine Spezies nicht improvisieren kann, stirbt sie aus.“
Der aus Güstrow in Mecklenburg Vorpommern stammende Saxophonist ist einer der Stimmführer im Reigen der europäischen Avantgarde. Ein Berserker am Instrument. Vital und unermüdlich hat er jede Form von Musik spielerisch hinterfragt, ist oft zu neuen, individuellen Ergebnissen gekommen, die er ebenfalls weiterentwickelte. Es gibt wohl keine Musik, die Ernst Ludwig Petrowsky in seinem Leben nicht gespielt hat. Seine ersten musikalischen Gehversuche unternahm er 12jährig noch schüchtern an der Geige. Mit 16 wurde er Mitglied des Domchores seiner Heimatstadt Güstrow. Er spielte Tanzmusik im Orchester Max Reichelt, war Mitglied des legendären Manfred-Ludwig-Sextetts und der Grenzen sprengenden Klaus Lenz Big Band. Dabei hat er alle Höhen und Tiefen eines Jazzmusiker durchlebt. Als Star einer kleinen, überschaubaren Szene in der DDR wurde er staatlich geehrt und spielte für Honorare, die nicht einmal fürs Essen reichten. Doch kreativ und besessen ist Luten, wie man ihn seit Kindheit nennt, trotzdem geblieben. Sein Spiel wurde immer druckvoller, ironisch überspitzt, frei. Ob im Free-Jazz-Quartett Synopsis, das später in Zentralquartett umgetauft wurde, im international besetzten All-Star-Ensemble des stilistischen Tausendsassas George Gruntz und selsbt im Duo mit seiner Partnerin, der Sängerin Uschi Brüning.
Der Jazz-Publizist Bert Noglik sagte einmal über ihn: „Petrowskys Stärke besteht auch darin, Risiken zu suchen und zu bewältigen“. Er selbst drückte dies einmal so aus: „Ich bin ein Feind jeder musikalischen Schmalspurphilosophie und ich möchte dies auch bewusst hören lassen.“ Dies kann man auch als Haltung bezeichnen. Eine Haltung die, wie Noglik weiter ausführt, sich und die eigenen Fähigkeiten immer wieder in Frage zu stellt und jede Möglichkeit ausschließt, sich in einem stilistischen Bereich „einzurichten“.
KULTKOMPLOTT, Jörg Konrad (http://www.kultkomplott.de/Artikel/Musik/ [20180112])
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Vorab: Der Rezensent hofft, das die vorliegenden drei CDs, aufgenommen vom New Old Luten Trio, Quintet und Septet (die eigentlichen jeweiligen Headline-Namen der CDs) am 13. Dezember 2015 in der Leipziger naTo, nicht die letzten Veröffentlichungne des umtriebigen Saxophonisten, Flötisten und Klarnettisten Ernst-Ludwig Petrowsky sind, der am 10. Dezember 2017 als Doyen des DDR-Jazz 84 geworden ist. Er hätte diesen Geburtstag sicher gern mit entsprechendem Radau, Rabatz und Remmidemmi gefeiert, aber sein Gesundheitszustand ließ das nicht zu. An dieser Stelle also zuvörderst ein Appell an Hygieia, Salus, Lakshmi und wie die Gesundheitsapostel alle heißen, diesem Musiker Gesundheit, Energie und Kräfte für weitere Aufnahmen zu schenken.
,Luten‘ Petrowsky spielt auf diesen drei CDs im Trio mit Lean Pauer am Piano und Christian Lillinger am Schlagzeug, um das Trio dann mit den beiden Kontrabassisten John Edwards und Robert Landfermann zum Quintett und schließlich mit dem Tenor- und Sopransaxophonisten Urs Leimgruber und dem Trompeter Axel Dörner zum Septett zu erweitern. Alle drei Formationen spielen in den zwei Stunden einen Full-Power-Hardcore-Free-Jazz mit abenteuerlichsten Klangkombinationen, der dem Hörer zwar einiges an Durchsteh- und Durchhörvermögen abverlangt, aber zwischen den ekstatischen, lauten Passagen mit intensiv-kollektiven Improvisationen auch fundsicher versteckte Freiräume für etwas verhaltenere, bisweilen sogar lyrische Töne eröffnet. Bei dieser Musik ist vor allem Fantasie gefragt, denn Free Jazz ist auch immer ein Soundtrack für das Kino im Kopf, für schnell wechselnde, sich überlagernde Bildsequenzen mit unterschiedlichsten Emotionen, Visionen und exzessiven Eruptionen. Der freie Jazz braucht Radau, Rabatz und Remmidemmi wie hier. Und auch wenn die Titel dieses Tripytichons nach Vermächtnis und Endgültigkeit klingen ‒ sie schreiben gleichermaßen nach einer Fortsetzung.

JAZZPODIUM, Rainer Bratfisch (Jazzpodium 2/2018, Februar 2018, 67. Jahrgang) (201802), S. 78.

Das Wunder des Spätwerks - hier entfaltet es sich mit eruptiver Kraft, sprudelnder Kreativität und exzessiver Energie. Drei Jahre in Folge, von 2013 bis 2015, war der Saxophonist Ernst-Ludwig Petrowsky bei der von Oliver Schwerdt kuratierten Konzertreihe in Leipzig zu Gast. 2015, kurz nach Petrowskys 82. Geburtstag, traf der Altmeister erneut mit dem Pianisten Elan Pauer (alias Oliver Schwerdt), den beiden Kontrabassisten John Edwards und Robert Landfermann sowie dem Schlag-zeuger Christian Lillinger zusammen. Im spontanen, ebenso sensiblen wie herausfordernden Zusammenspiel steigerte sich das Quintett in Gefilde von flammender Intensität. Für die am gleichen Abend eingespielten Euphorium-CDs „Radau!“ und „Remmidemmi!“ bildet „Letzter Rabatz!“ den Abschluss einer einzigartigen Trilogie.
PREIS DER DEUTSCHEN SCHALLPLATTENKRITIK, Bert Noglik (Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Bestenliste 1-2018) (201802).

Die eindrücklichste und flächendeckendste Zusammenarbeit Oliver Schwerdts mit Ernst-Ludwig Petrowsky ereignete sich am 29. August 2009 auf der Leipziger Opernbühne während der 33. Jazztage. Das extra zum Anlass formierte ,Transatlantic Freedom Suite Tentet‘ erinnerte in freiem Spiel an die Zeit der 89er Umwälzungen, die Petrowsky, zugeneigt Luten genannt, mit einer tief emotionalen Wutrede mit herbeigerufen hatte. Wadada Leo Smith, Günter Baby Sommer, Barre Phillips und sieben weitere Musiker demonstrierten, wie ihre Arte des freien Spiels den historischen Ereignissen entsprach.
Luten Petrowsky, Jahrgang 1933 und einer der Nestoren des ostdeutschen Free Jazz, war bekannt für seine subversiven Wortspiele, die er schelmisch, oft wütend, ausführlich und doch mit launiger Ruhe von den Bühnen der DDR abließ, eine konsequente Musik mit mutigen und fantasiereichen Formulierungen unterstreichend. Die Kooperation mit Oliver Schwerdt, Leipziger Labelchef, Organisationstalent und Pianist, ist eine mit der nächsten Generation in einem anderen Deutschland. Ergänzt zum Trio mit Christian Lillinger, dem wichtigsten Schlagzeuger des aktuellen deutschen Jazz, und dann wachsend zu immer größeren Besetzungen, ereigneten sich am 13. Dezember 2015 auf der kleinen Bühne der Nato nicht weniger als zwei Sternstunden frei improvisierter Musik, die nun endlich auf drei Tonträgern dokumentiert sind. Sie demonstrieren eindrucksvoll die Frische und Tragfähigkeit von Lutens Musik, zunächst im Trio, dann im Quintett (ergänzt um die beiden Kontrabassisten Robert Landfermann und John Edwards) und schließlich im Septett, in dem dann noch die beiden Bläser Axel Dörner (Trompete) und Urs Leimgruber (Saxofone) hinzutreten.
Dieses CD-Tryptichon ‒ neckisch Radau, Rabatz und Remmidemmi genannt ‒ ist gleirchermaßen Bilanz und Ausblick. Es belegt in immer dichter werdenden Interaktionen die Vitalität des Free Jazz und die Konsequenz des Lebenswerkes Petrowskys, der an diesem Abend im Zentrum Gleichgesinnter saß. Es war ein langer Abend der großen Gefühle, eine mächtige Demonstration der Weiterführung einer folgenreichen Geschichte.
Petrowskys Altsaxofonton, seine ungebrochene Agilität, seine intensiven Impulse werden von den Mitspielern aufgenommen und weitergedacht in einem großen und kompromisslosen Geben und Nehmen. Luten ist hierzulande eine Vaterfigur des Unangepassten, Widerständigen und nach vorn Weisenden. Wie er sich hier einbringt in einen ungebrochenen Fluss der interaktionen, Steigerungen und Wendungen, ist schlicht großartig. Das brandet auf in senseiblem Interplay, gibt dem Einzelnen Raum und führt ein großes Denken im Kollektiv vor, dass man an die Maßstäbe setzende amerikanischen Oktoberrevolution des Jazz aus den sechziger Jahren denkt. Es schreibt dieses Geschichte fort, in dem eine dringliche Bestandsaufnahme zelebriert wird.
Doch diese Musik ist nicht nostalgisch, sie entspricht dem Jetzt, ist beweglich, drängend und experimentierfreudig. Diese drei CDs gehören zusammen. Sie addieren sich zu einem Monument der Fantasie, der Intensitätsprogression, des leidenschaftlichen Weitermachens.
LEIPZIGER VOLSKZEITUNG, Ulrich Steinmetzger (Leipziger Volkszeitung, 124. Jg., Nr. 44, 21. Februar 2018) (20180221), S. 12.

Als ob es Ernst-Ludwig Petrowsky, dem wichtigsten Jazzmusiker im anderen deutschen Staat, der dereinst eindrücklich demonstrierte, dass es auch jenseits des Mainstreams richtigen Jazz gibt, gut ginge.
Die letzten drei Einspielungen des phänomenalen Saxophonisten sind (sorry!) auf Radau gebürstet, was wohl eher dem Verkaufsargument der Leipziger Plattenfirma Euphorium geschuldet ist. Es ist inständig zu hoffen, dass die letzten Veröffentlichungen Petrowskys, der seit fast einem Jahr krank darnieder liegt, wirklich nicht die letzten bleiben. Dass der 84-Jährige mit Radau, Rabatz und Remmidemmi vereinnahmt wird, hat sicher mit seinem ungebrochenen Drang zu tun, stets neue Felder des Jazz aufzutun. Nicht ohne Grund sind diese Einspielungen soeben mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden. Eine grosse Anerkennung von Petrowskys Musik.
Mit drei neuen CDs des Leipziger Labels ist das Quintett-Tryptichon abgeschlossen, mit der Ernst-Ludwig (”Luten”) Petrowsky an der Seite der beiden Bassisten Robert Landfermann und John Edwards, des Pianisten Elan Pauer und des Schlagzeugers Christian Lillinger vor Jahren startete. Mit Musikern, die sich selbst zur vierten (!) Generation des Free Jazz zählen, während die Luten-Legende selbstredend zur ersten gehört, wurde unablässig an jener Spezies des Jazz, die sie ”White Power Blues” nennen, fleissig weitergestrickt. Petrowsky glänzte nicht nur mit insistierenden, quengelnden Altsax-Soli, sondern war allseits bereit, auf die Youngster einzugehen. Ergebnis ist kollektiv erspielte, energetische Musik, die stark an die Blütezeit des Free Jazz erinnerte. Durch Hinzunahme der beiden Bläser Axel Dörner (tp) und Urs Leimgruber (ts, ss) steigerte sich das Ganze zum Septett, das dann zum ”Letzten Remmidemmi” aufrief. Der Schweizer Saxophonist, so die Liner Notes, ergänzt Petrowskys Spiel subtil, karikiert ihn keinesfalls. Zusätzlich zu den schwergewichtigen Gruppenprozessen spielt das eingangs erwähnte Trio nun zum ”Letzten Radau!” auf. Der alte Herr kommt wieder bestens mit den Youngsters klar.
Diese drei Alben, aufgenommen mit Trio, Quintett und Septett, sind kein leichtes Hörvergnügen und nicht dem Ohr eines jeden Jazzfans zuträglich. Noch schwerer verdaulich allerdings sind die verbalen Auslassungen, mit denen Label-Chef Oliver Schwerdt die Liner Notes zutextet. Nicht nur Germanisten schrecken auf, wenn von ”kaskadesken Schleifen”, ”auditiv generierten Aufnahmen”, von ”realisierter Pflege klavieristischer Kunst” oder von ”nocturnem Fieberwahn” die Rede ist. Dann wieder schlicht ”perkussioniert”, ”aluminial”, ”imaginiert” oder ”einfahrbar wie abgefahren”. Ist so Free Jazz, mag man sich fragen?
JAZZ'N'MORE, Reiner Kobe (Jazz'n'More 2/2018, März/April 2018) (201803), S. 75.

Welcher Künstler von Rang aus dem Osten Deutschlands hat schon einen ungebrochene Biografie? Diese Frage stellt sich umso mehr, wenn betreffender Künstler die 80 bereits um ein halbes Jahrzehnt überschritten hat.
Nehmen wir den Saxofonisten Ernst-Ludwig Petrowsky. Kurz nach der Machtergreifung der Nazis geboren, dürfte er selbst im idyllischen Güstrow vom Trauma des Kriegs ebenso wenig verschont geblieben sein wie von den Nachkriegswirren in der sowjetischen Besatzungszone. Schon im ersten Jahrfünft der DDR sozialisierte er sich mit dem Jazz, eine Entscheidung, die scon damals einen steinigen Weg verhieß und ebensolche Spuren hinterlassen sollte. ,Wir haben in der DDR schon immer einen weiten Weg zum Jazz gehabt, weil wir relativ auf uns selbst gestellt waren und der Jazz ja nun mal zu einem beträchtlichen Teil aus dem westlichen Ausland kommt‘, bekannte er 1978 in Bert Nogliks Buch Jazz im Gespräch, um sogleich regimekonform zu relativieren, ,wenn auch nicht aus der Ebene, die die dortige Gesellschaftsordnung trägt.‘ Dieses Zitat verdeutlicht das ganze Dilemma, in dem Jazzmusiker in der DDR sogar im Zenit des ostdeutschen Free Jazz zwischen Tumult und Anpassung standen.
Petrwosky hat alle nur denkbaren musikalischen Stadien durchlaufen und sich immer wieder neu behaupten müssen ‒ mit Hardbobp ebenso wie mit Big-Band-Mainstream, mit Chansons an der Seite von Manfred Krug genauso wie mit Jazzrock in der Band SOK, mit subtilen Liederprogrammen im Duo mit seiner Ehefrau Uschi Brüning gleichermaßne wie mit Neuer Musik in Gemeinschaft mit dem Komponisten Friedrich Schenker. In der DDR war Luten, wie er von seinen Fans und Freunden kumpelhaft genannt, wird, eine Institution. Nach der Wende 1989 sah er sich jedoch abermals mit einer neuen Situation konfroniert. Der Exotenbonus aus der DDR-Jazz-Szene hatte sich aufgebraucht. Ähnlich wie Ulrich Gumpert, Baby Sommer und Conny Bauer musste er sich auf einem gesamtdeutschen und internationelen Parkett erneut seine Legitimation erspielen. Auch in dieser Hinsicht gleicht sein Lebenslauf dem vieler anderer Ostdeutschen, deren Hunger nach Freiheit unversehens mit einer Evaluation ihrer Lebensleistung ausgebremst wurde. Doch der Saxofonist konnte sich auf seine Kernkompetenz als einer der versiertesten Improvisatoren des europäischen Kontinents verlassen. In Bands wie dem Zentralquartett oder Ruf der Heimat, machte er weiterhin Rabatz.
Mittlerweile 84, kann er auf ein überaus bewegtes Leben zurückblicken. Gesundheitlich hatte Luten schon bessere Tage, aber Ruhe gibt er deshalb noch lange nicht. Nach seinen grandiosen Alterswerken Tumult! (2015) und Krawall! (2016) schickt er jetzt noch seinen Rabatz! hinterher, flankiert von Remmidemmi! und Radau! Auf all diesen CDs ist jeweils nur ein einziges langes Stück zu hören, dessen Titel jeweils aus dem Motto der CD und einem trotzig vorangestellten ,Letzer‘ besteht. Die Renitenz der ganzen Reihe erinnert an Johnny Cashs American Recordings, die ebenfalls eine Art langer Abschied eines Künstlers waren, der die Welt nicht verlassen wollte, ohne noch einmal tiefe Spuren in ihre Oberfläche zu drücken.
Unter den großen Vieren des ostdeutschen Free Jazz, die in der Band Synopsis ‒ später Zentralquartett ‒ vereint waren, genoss Petrowsky sicher den Ruf des Sprödesten und Unberechenbarsten. Über weite Strecken wusste er sich am besten zu behaupten, dafür stellte er sich auch vor den andren in den Wind und exerzierte vor, woran viele andere später partizipieren durften. Nicht selten löste er Verwunderung aus, bei seinen Fans ebenso wie bei seinen Kritikern. Doch er experimentierte und improvisierte eben nicht nur auf künstlerischem, sondern auch immer auf sozialem, zwischenmenschlichem und gesamtgesellschaftlichem Terrain.
Umso schwerer fällt jetzt die Serie seiner ,Letzten‘ Alben ins Gewicht, von denen es hoffentlich noch eine ganze Reihe geben wird. Seine Improvisationen haben nichts von ihrer Sperrigkeit verloren. Mit Ensembles zwischen Trio-Stärke (Radau) und Septett (Remmidemmi) vereint er unter seinem Schirm ganz unterschiedlich sozialisierte Auffassunen in der Gestaltung spontaner Musik. Alles ist Zufall, und nichts ist Zufall. Er tritt mit Musikern an, die seine Söhne oder gar Enkel sein könnten, schart sie aber nicht in der Weise um sich, wie das ein Art Blakey getan hat, sondern sucht und findet die gemeinsame Ebene ‒ ein weiterer Aspekt, den er mit Johnny Cash gemeinsam hat. Auch wenn Luten auf ein Spektrum von Spielmöglichkeiten zurückgreifen kann, das sich über mehr als ein halbes Jahrhundert entwickelt hat, geht es ihm doch allein darum, was er im Hier und Jetzt einer sich immer schneller verändernden Wirklichkeit zu sagen hat.
Nein, Improvisation ist eben nicht der größtmögliche Widerstand gegenüber den äußeren Gegebenheiten, wie er im sogenannten Free Jazz so oft postuliert wird. Improvisation heißt, aus den äußeren Gegebenehieten immer das Bestmögliche zu machen. Veränderung durch Akzeptanz ‒ alles andere ist eine Illusion. Doch für Illusionen hat der alte Mann mit dem Horn nicht mehr genug Zeit. So macht er aus all den Brüchen seines langen Lebens auf seine ureigene Weise am Ende doch noch eine Gerade.
JAZZTHETIK, Wolf Kampmann (Jazzthetik März/April 2018) (201803-04), S. 62.

Introduction: When pianist Oliver Schwerdt met the young and energetic drummer Christian Lillinger in 2004 he immediately knew that he now could realize his idea for a band that was supposed to play classic free jazz of the 1960 and 70s. Schwerdt imagined the East German improvisation icon Ernst-Ludwig (Luten) Petrowsky on saxophone and clarinet, because he’s always loved the man’s seminal trio with Klaus Koch on bass and Günter “Baby“ Sommer on drums (once again I can only recommend Selbdritt on FMP). Schwerdt, Petrowsky and Lillinger finally met for the first time in 2006. In 2008 they recorded White Power Blues (Euphorium Records) and in 2009 they had a gig at the Leipziger Jazztage with two bassists (Barre Phillips and Michael Haves). Schwerdt, Petrowsky and Lillinger were pleased with the outcome and in 2011 they decided to continue their work as a quintet, only with Robert Landferman and John Edwards on the basses. Although Schwerdt (in this context he uses the moniker Elan Pauer) initiated the band, the focus is clearly on Petrowsky. He’s the link to the golden age of free jazz, his powerful style sputters off so authentically that according to Schwerdt he’s like “the lead singer in a pop group, always in the foreground of a specific sound space“. From the very beginning, Schwerdt planned to record the full monty, and albums like Tumult! and Krawall! are wonderful intermediate results. The following triptych is the last effort of this outstanding project.
Radau! ‒ The trio of Schwerdt, Petrowsky and Lillinger refers back to the beginning of the original idea, a bass-less trio in the tradition of Cecil Taylor’s early Unit with Jimmy Lyons and Sunny Murray. Like the great role model, the trio dives pell-mell into music without metric boundaries, opening a lucky bag of possibilities. Schwerdt is a keyboard dervish, a magician of improvisation. Compared to White Power Blues his playing has become much more sophisticated and refined, more lyrical and percussive at the same time. He makes extensive use of clusters and parallel runs, that’s why the music is very dynamic. Petrowsky’s alto blares against the thunder of Schwerdt’s piano, he indicates the direction of where the improvisation goes. Around the 14-minute mark of “Letzter Radau!“, the only track on the album, Petrowsky throws in blues and bebop riffs just to come up even fiercer and more uncompromising. The whole improvisation is pushed by Lillinger’s drumming, Paul Lovens might be an influence here, especially the toms propel the music relentlessly. The album is another example of his enormous versatility, he’s just the most interesting drummer these days. The last four minutes surprise with a complete break - Petrowsky pulls out his flutes, the track becomes more world-music-like, Lillinger’s bells and Schwerdt’s prepared piano open the door to a different universe.
Rabatz! ‒ With the addition of two basses (John Edwards and Robert Landferman) Schwerdt, Petrowsky and Lillinger dynamise harmonic dispositions in the improvisation and bow to albums like Ornette Coleman’s Free Jazz and Cecil Taylor’s Unit Structures. By demonstrating enormous spontaneity and constructionism the quintet proves that the freedom of free jazz does not mean the complete absence of musical organization. The 46-minute “Letzter Rabatz!“ presents the band consciously selecting from a seemingly infinite pool of individual abilities to create musical structures that balance emotion and intellect, energy and form. The two basses are both elemental driving force and mysterious sound texture. The band embodies superhuman velocity and febrile delirium, they’re dissolving musical syntax while re-building it at the same time. Petrowsky ejects lines of a crude beauty and graceful ease. Like on Radau! the last part (about nine minutes) is cut off from the rest of the piece, now Petrowsky is mainly on the clarinet, the band gnarling in the background. Schwerdt puts in a wild barrage of thrillers, the piece swells and ebbs away. Petrowsky abruptly ends it with a single 35-second tone as if he was letting steam off a kettle. What a performance!
Remmidemmi! ‒ The extension to a septet was a side effect from a concert with Axel Dörner (trumpet) and Urs Leimgruber (sax) the following day. Schwerdt says that he was attracted by the idea of two powerplay saxophones for the band since it reminded him of John Coltrane and Pharoah Sanders. He said that he had the idea of Leimgruber as a sort of effect machine for Petrowsky, but of course the Swiss saxophonist is much more than that. Remmidemmi! is different from the very beginning. It starts with a massive bass drone and prepared piano, another sound color is added to the brew, it’s an eerie but meditative note. Dörner's trumpet floats over this ocean of sound, the saxophones scribble into the track and give the command to raise intensity. Lillinger’s role is also different, he bows his cymbals, stressing the fact that the piece is more about sound than rhythm, it’s rather a cacophony of different voices. However, the piece also picks up certain elements from Rabatz! and Radau!, like the piano crescendos that prepare the ground for Petrowsky’s savage excursions. “Letztes Remmidemmi!“ drags itself through the mud, panting, gasping, heavily breathing, but also exuberant with enthusiasm. Once again, the last part is the quietest one, although Lillinger has a little solo here and the intensity is still high. Remmidemmi! is my favorite of this triptych.
Epilogue: These albums are both conclusion and outlook. Unfortunately, it seems like they will be the last with Luten Petrowsky, since he’s really ill and might not be able to perform again (he’s 84 years old and had to undergo a difficult surgery last year). However, Peter Brötzmann replaced him for a gig in Leipzig (bassist John Eckhardt filled in for Robert Landferman) and Oliver Schwerdt said that at least this performance will be released. Maybe there’s even more to come.
THE FREE JAZZ COLLECTIVE, Martin Schray (http://www.freejazzblog.org/2018/03/the-new-old-luten-project.html [20180310])

Ernst-Ludwig Petrowsky fait partie des figures de légende du free jazz est-allemand. Dans les années '90, on avait pu le découvrir, lors d'un Jazz au Château à Oupeye, au sein du mythique Zentral Quartett, en compagnie de Günter Baby Sommer (dm, perc), Ulrich Gumpert (p) et du tromboniste Conrad Bauer (ce Zentral Quartett avait aussi été programmé lors du Jazz!Brugge de 2004 mais avec Manfred Hering au saxophone). On a aussi pu entendre Petrowsky avec le Globe Unity d'Alexander Von Schlippenbach, le Concert Jazz Band de Georges Gruntz ou l'European Jazz Ensemble du contrebassiste Ali Haurand, notamment pour At the Philharmonic Cologne, album de 1989 dans lequel il côtoyait, entre autres Enrico Rava, Manfred Schoof, Gerd Dudek et... Philip Catherine. Depuis 2006, il a fondé New and Old Luten Trio, avec le pianiste Elan Pauer (il a croisé notamment Oliver Schwerdt, pianiste et percussionniste) et le batteur Christian Lillinger qu'on a pu entendre avec Tobias Delius (sax) , Simon Nabatov (p), Rudy Mahall (cl) ou Ronny Graupe (g). C'est ce trio que l'on entend sur Letzer Radau!, mini CD de 23 minutes de musique dense et âpre enregistrée à Leipzig en 2017. Letzer Rabatz présente une autre partie de ce concert de Leipzig, 46' 46" de musique improvisée enregistrée d'une seule traite, en compagnie de deux contrebassistes: John Edwards qui a côtoyé Joëlle Léandre, Charles Gayle ou Peter Brötzmann et Robert Landfermann qu'on a pu entendre avec les pianistes Joachim Kuhn et Pablo Held, mais aussi avec le trompettiste Axel Dörner et le saxophoniste Urs Leimgruber qui rejoindront Petrowsky pour la partie en septet. Pour ce Letzer Rabatz, pas de thème mélodique, pas de structure thématique, un free jazz pur et dur qui sonne comme un cri de révolte. Une musique improvisée basée sur l'interaction entre l'alto, puis la clarinette et la flûte de Petrowsky et les deux contrebasses, l'une jouée en pizzicato, l'autre souvent à l'archet et avec parfois des tendances bruitistes (Elan Pauer au piano mais aussi aux percussions et "little instruments" en parallèle aux percussions multiples de Christian Lillinger). Pour Letzes Remmidemmi, le quintet accueille en plus le trompettiste Axel Dörner et le saxophoniste suisse Urs Leimgruber. On a pu entendre le premier notamment lors d'un Jazz!Brugge, en quintet avec Alexander Von Schlippenbach (p) et Rudy Mahall (cl) pour le projet Monk Casino mais aussi avec Aki Takase (So long Eric, en hommage à Dolphy). Le second a été révélé par le quartet Om en compagnie du guitariste Christy Doran, mais aussi dans deux autres quartets, l'un avec Don Friedman, l'autre avec Joëlle Léandre. Pour cette troisième partie de concert live, une musique improvisée sans autre repère que l'interaction entre les 7 musiciens, avec une volonté d'explorer les sonorités déchirées de l'alto (Petrowsky) comme du ténor ou du soprano de Leimgruber. Non, le free jazz pur et dur n'est pas mort, une manière pour Petrowsky de fêter ses 81 ans...
JAZZ'HALO, Claude Loxhay (http://www.jazzhalo.be/reviews/cdlp-reviews/n/new-old-luten-trioquintetseptet-feat-ernst-ludwig-petrowsky-letzer-radaurabatzremmidemmi/ [20180313])

With these three releases an exceptional trilogy is completed. A final release that in itself again is a 
trilogy. Numbers does not obsess me, so I won’t seek for some symbolic meaning. Numbers that count 
in this context are Petrowsky’s birthdays, as this initiative is centred around veteran Ernst-Ludwig 
Petrowsky, one of the founding fathers of the (East)-German jazz scene, who left traces on dozens and 
dozens of records.
Supervised by Oliver Schwerdt (aka Elan Pauer) they managed to record remarkable sessions in three 
successive years, always around the birthday of Luten as he is often called. The 2013-sessions led to 
‘Letzten Tumult’. The recordings of 2014 found their way to ‘Letzten Krawall’, and now finally the 
sessions of 2015, when Petrowsky celebrated his 82th birthday, are released as ‘Letzten  Rabatz’. All 
three concerts are released on Schwerdt’s Euphorium label. Considering the age of Petrowsky – sorry 
to say so - it was not evident that they could do two follow ups. And I’m not sure this was intended 
from the beginning. Anyway it is a remarkable aspect of this series, but more important here is the 
high quality of the improvisations. As said the third chapter of this trilogy is in itself again a ‘trilogy’, 
released on three different cds. Not in a boxed set, but as three individual releases. ‘Letzter Rabatz’ 
comes in a jewel case, the other two in cardboard.
All improvisations were recorded on December 13th, 2015. Line up of the quintet is identical with 
the ones of proceeding years: Ernst-Ludwig Petrowsky  (alto sax, clarinet, Romanian flutes), Elan Pauer 
(grand piano, percussion, little instruments), John Edwards (double bass), Robert Landfermann 
(double bass) and Christian Lillinger (drums, cymbals, percussion).
The ‘Preis der Deutschen Schallplattenkritik’, a prestigious prize by the German music critics, 
awarded their ‘Letzter Rabatz’. Throughout the music surprises by its energy and dynamics combined 
with its richness of expression and vocabulary. Ranging from very intimate with melodic and lyrical 
touches to very loud, dynamic free improvisation crossing all borders. And above all, it is chapters of 
one and the same story, coherent and together.
Petrowsky impresses with his very dedicated playing. Sometimes squeaking, sometimes howling, 
and all other expressive characteristics pass by in his playing. He is nothing holding back, but totally 
goes for it; vulnerable and exuberant.
‘Lutens letzter Radau!’ has Petrowsky in the company of two much younger talents Lillinger and 
Pauer. Lillinger, by the way, won the SWR Jazzpreis 2017. But there is no sign of a conflict between the 
generations here, instead very dynamic interactions, with many ideas passing by in a strongly 
intertwined session. Near the end Petrowsky changes his saxophone for a shepherds’ flute, which 
gives an altogether very different atmosphere. A very spirited and focused improvisation, which gives 
the opportunity to learn more of Lillinger and Pauer, who adds wit and humour in his playing.
As a septet the quintet is extended with Axel Dörner (trumpet) and Urs Leimgruber(tenor and 
soprano saxes). Their improvisation, ‘Letztes Remmidemmi’, starts with nervous piano playing by 
Schwerdt over a long sound-oriented texture produced by the bass players. At the end of Schwerdt’s 
exercise, Dörner and other blowers take over in a swirling interplay, working towards a climax, 
entering – with some phantasy – a grooving phase. Halfway they find some rest, and begin to build up 
tension and complexity gradually working towards a next boiling point, with a nice solo by Dörner on 
the way. Completely engaging and not a dull moment. It hasn’t them all playing throughout, but in 
different combinations along the route.
I have no overview of Petrowsky’s career, but I can imagine this trilogy is a crown on his career. 
Carrying out a project over three years with the same musicians involved who became closer and 
close with one other is exceptional. A monument.
VITAL WEEKLY, Dolf Mulder (http://www.vitalweekly.net/1124.html [20180320])

2013 zum 80.: TUMULT! Zum 81.: KRAWALL! Zum 82.: RADAU! (EUPH 056, 3"), RABATZ! (EUPH 057) und REMMIDEMMI! (EUPH 058). Das Euphorium-Triptychon (Triptaifun?) zeigt Petrowsky & Friends, wie sie es am 13.12.2015 in der naTo in Leipzig nochmal, ein letztes Mal, haben krachen lassen. Zu Ehren und als Selbstvergewisserung des Jubilars, dem guten Luten, Herzbube des Jazz von 'Drüben' mit seinem Vollblutfächer aus dem Jazzrock mit Ulrich Gumpert in SOK (1971), den Freiheiten, die man sich nahm mit Synopsis (1973...) und dem Zentralquartett (1984...), der Ulrich Gumpert Workshop Band, dem Globe Unity Orchestra, als Leader auf FMP und mit Ruf der Heimat, davor und danach populär mit Manfred Krug und Uschi Brüning. Noch 2016 konnte man ihn mit Brüning & Engerling maikäfern und mit Wolf & Pamela Biermann im Zentralquartett 'n "...paar eckige Runden drehn" hören. Titel wie "Auf der Elbe schwimmt ein rosa Krokodil", "Markowitz' Blues" oder "Aus Teutschen Landen" sind auch in meinen Wessi-Ohren Musik. Alte Freunde traten ab: Friedrich Schenker 2013, Manfred Krug 2016. Statt mit Biermann dessen 'Preis für die Einheit Europas' zu feiern, kam Petrowsky im Juni 2017 selber ins Krankenhaus und muß nun leiser treten. Nicht mehr und nicht weniger meint 'letzter Radau!'... 'letzter Rabatz!'. Ersteres 23:23 mit dem NEW OLD LUTEN TRIO. Mit Elan Pauer & Christian Lillinger an Konzertflügel, Schlagzeug und Perkussion für wuselfingrig kapriolendes Rasselbanden-Klimbim, schädelspaltend zugespitzt mit Petrowskys schrill kirrendem, rau spotzendem und pressendem Altosax, das, fiebrig geschürt und rumorig unterwandert, flatterzüngelnd zündelt, aber auch lyrische Fäden spinnt zu einem langen Halteton, gefolgt von angeschrägtem Klarinettenklang. Bis die drei erneut heiß laufen und übersprudeln, um zuletzt abzureißen für muschelberascheltes, eisern und fedrig flankiertes Hirtenflöten-tirili. Die Fortsetzung folgt sogleich als NEW OLD LUTEN QUINTET, 46:46 mit den beiden Kontrabassisten John Edwards & Robert Landfermann. Bald auch BA-ZART, doch zuerst donnergrollig und rabatzig. Lillinger als Riot-Boy, den wie Pig Pen von den Peanuts ständig eine Klangwolke umgibt, und Luten als noch einmal hyperaktiver Jüngling von 82 Jahren. Ein euphorisierter Oliver Schwerdt beschreibt das derart wortgewaltig, dass ich mich eigentlich sprachlos zurücklehnen kann, um Edwards' Rumoren als "schnarchartige Delikatessware" zu genießen und mit landrattigem Behagen Zwieback zu knabbern in zwanglosen Rossbreiten, be-Pauer-t mit Pfiff und Kikeriki, mit Whistles, Mini-Zugflöte, betopfdeckelten Saiten, pullovergedämpftem Gefinger, Flötenfiep, einem Clarina/Melodica-Akkord oder mit knarzendem Karton. Mit ostinatem Bass-Twang an ein Wasserloch (die Theke) geführt, laben sich kleine und große Schnauzen friedlich nebeneinander. Bis, geschoben von den 9 Basssaiten (Landfermann spielt einen historischen Fünfsaiter) und umarmt und gekitzelt von der clusternden und tremolierenden Krake, der trappelnden Tausendfüßerarmada am Piano, die Wogen wieder hoch jagen hin zum finalen gis'''. Damit nicht genug, steigern Axel Dörner und Urs Leimgruber mit Trompete und Saxophon die NEW OLD LUTEN-Quintessenzen im SEPTET noch einmal derart, dass sich sogar 'Out of this World'-Spirit einstellt (wie Coltrane & Sanders ihn aus dem Kosmos gesaugt hatten). SelbSiebt und hot, mit aufschießenden Protuberanzen. Aber, schon die Introduktion auf Taubenfüßen deutet es an, wieder auch sublim genug für gezügelten Aufschub durch Bie-nengesumm, seufzende Türen, Trompetenschmauch, Glasbläserei, Rohrblattgemurmel, klimprige Zahnrädchen, klickende Essstäbchen, feinste Glöckchen. Dörner kirrt und faucht den Mond an, Bassfinger zupfen Trübsal an einem Gummi, Leimgruber quäkt, Lillinger pol-tert, so geht's durch dick und dünn, durch enge Blasrohre, über halsbrecherische Stufen, vorbei an Metallzüngelchen. Zum tirilierend delirierten Ausgang, auf! auf!! und davon!!!
BAD ALCHEMY, Rigobert Dittmann (Bad Alchemy Nr. 97, März 2018) (201803), S. 35.

Lutens letzter Radau! Lutens letzter Rabatz! Lutens letztes Remmidemmi! Mit einer dreistufigen Free Jazz-Rakete, live mitgeschnitten in der Leipziger Nato im Jahr 2015, legt der ostdeutsche Altmeister des freien Spiels, Ernst-Ludwig „Luten“ Petrowsky – quasi quer zum eigen Quintett-Triptychon (Tumult!, Krawall!, Rabatz!) – nichts anderes als ein tönendes Denkmal seines Schaffens vor. Zunächst wird mit den fantastischen Elan Pauer (= Oliver Schwerdt, erst neulich in dieser Publikation aufs höchste gepriesen) und Christian Lillinger im Trio agiert – Radau! Dann wird die zweite Stufe gezündet – Rabatz! Das Trio wird durch Beiziehung der beiden, im Personalstil stark voneinander divergierenden, Bassisten John Edwards und Robert Landfermann zum ebenso großartig eingespielten Quintett. Stufe drei – Remmidemmi! Mit Urs Leimgruber und Axel Dörner macht weitere Weltklasse das Ganze dann zum wahrlich monumentalen Septett. Die Musik? Nur grandios! Die seit Jahrzehnten stilüblichen Rahmen des Crescendo/Decrescendo, Pseudo-Accelerando/Pseudo-Ritardando etc. erlebt man selten derart mit geradezu überbordender Vitalität erfüllt. Die kontrastierenden Individualitäten (z.B. der linearere, materiell stärker an Grundlagen ausgerichtete Petrowsky und die Soundorientierung Leimgrubers) der Protagonisten ergänzen sich ganz famos, stets agiert man hochoriginell und -sensibel zugleich – bei aller Komplexität; die individuellen Beiträge sind ebenso fantastisch wie das Zusammenspiel, man sprüht vor Spielfreude, Spielwitz und Energie. Ein Höhepunkt nach dem anderen. Man staunt ab einer gewissen Zeit einfach nur noch. Überhaupt: Was für Energielevels hier erreicht werden (ohne je ins weniger Differenzierte abzugleiten)! Einfach sagenhaft! Die Hörer werden dauerelektrisiert, aus dem Sessel gerissen, die Haare stehen im allerpositivsten Sinn zu Berge. Damit kann man im antarktischen Winter mühelos das Biwak heizen. Sogar mich verlassen die Worte ... Petrowsky & Co. bescheren absolute Sternstunden!!!
FREISTIL, Bertl Grisser (Freistil Nr. 78, Mai/Juni 2018) (201805), S. 22f..

Letzter Tumult! Letzter Krawall! Letzter Rabatz! Die CD bildet den Abschluss einer Trilogie, aufgenommen zum 80., 81. und 82. Geburtstag Ernst-Ludwig ,Luten‘ Petrowskys jeweils mit demselben Quintett in einer von Oliver Schwerdt kuratierten Reihe im Leipziger Club ,naTo‘. Und zugleich das Mittelstück einer weiteren Trilogie, denn Luten hat am selben Abend noch am selben Ort noch zwei weitere CDs im Trio und im Septett aufgenommen.
Eine sportliche Leistung: nicht alle gleich lang, aber jede einzelne am Stück durchgespielt, in diesem Fall 46 Minuten. Christian Lillinger beginnt mit Filzkopf-Trommelwirbeln. Schwerdt setzt am Klavier mit einer Tonfolge ein, bevor er richtig loslegt und seinem Künstlernamen Elan Pauer alle Ehre macht ‒ dann aber wieder zurücktritt, um Luten den Weg zu bereiten. Der faucht, kratzt, schimpft, flucht, fetzt mit seinen 82 Jahren minutenlang in einer Weise los, wie die besten jungen, zornigen Free-Jazz-Musiker der 1960er Jahre es nicht besser konnten. Wie Albert Ayler oder Pharoah Sanders spielt er mit zwei Bassisten, die zwischen hoch und tief, gezupft und gesrichten die Rollen wechseln. Sie treten erst deutlicher hervor, worauf nach knapp fünf Minuten eine ruhigere Phase beginnt: John Edwards mit tiefen, gestrichenen, schwankenden Tönen rechts, Robert Landfermann links im ätherischen hohen Flageolett. Dies alles ist ausführlicher auch im Booklet nachzulesen, denn Schwerdt ist nicht nur der Veranstalter und ein versierter Pianist, der die anderen, wiederum ausgehend von einer atonalen Tonfolge, schon bald wieder anstachelt, noch mehr Rabatz zu machen, er weiß die musikalischen Vorgänge auch bestens in Worte zu fassen.
So geht es erneut weiter im hochdynamischen Pauer-Play, und wie der Pianist scheint auch Luten überhaupt keine Ermüdungserscheinungen zu kennen. Die Bassisten dagegen sind hier weniger für die Grundierung zuständig, vielmehr für schräge Klänge, Töne, Geräusche in allen Tonlagen. Bei ungefähr 15 Minuten bieten sich Edwards und Luten ein kurzes Duett, bevor sich eine leisere, von Tönen im Innenklavier, feiner Perkussion und gezupften und gestrichenen Basslauten bestimmte gläserne Klanglandschaft auftut.
Ausgerechnet rumänische Hirtenflöten sind es, die nun das nächste Feuerwerk in Gang setzen, das, falls dies noch möglich ist, die vorangegangenen noch übertrifft. Noch nicht die halbe CD vorbei und schon der dritte solche Ausbruch! Es erweist sich, dass vor allem die Bassisten, mit helleren perkussiven Klängen, für die transparenten Ohrenöffner zuständig sind, Luten und Pauer dagegen eher die treibenden Kräfte ‒ ein sich wechselseitig bedingendes, keinesfalls gegenseitig ausschließendes Verhältnis. Aber es gibt keinen Schematismus, mehr und mehr scheinen die Musiker einem Antrieb zu folgen, der nicht gewollt ist, sondern von innen heraus kommt, und dabei immer mehr eins zu werden. Ein sehr sensibler, ordentlicher Rabatz.
NEUE ZEITSCHRIFT FÜR MUSIK, Dietrich Heißenbüttel (Neue Zeitschrift für Musik 2/2018, April 2018) (201804), S. 71.