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Oliver Schwerdt:
Prestige / No Smoking

(EUPH 053)

Oliver Schwerdt - p

I Prestige (41’13)
II No Smoking (48’26)

Er hat es durchgezogen!
Alexander von Schlippenbach

.Das hast Du gut gemacht!

Evan Parker

Der Leipziger Olympionike verschweißt die motorische Intelligenz seiner Finger
mit Rösselsprüngen eines maritimen Rodeos.

Rigobert Dittmann

,Die Dynamisierung der Tonfolgen über einen dreiviertelstündigen Spannungsbogen zu ziehen‘,
‒ dies gelingt dem Pianisten auf beeindruckende Weise mit hellen, klaren Tönen,'
die sich ins Bizarre, fast Abstrakte, steigern ‒ im Nichts endende Klangschwaden.

Reiner Kobe

Hochspannung pur.
Jörg Konrad

Deze opnamen herinneren mij op hun best aan live-optredens van Craig Taborn en Vijay Iyer.
Danny de Bock

Schwerdt propels his improvisations full-energy forward, in a playful manner.
It is one continuous overwhelming stream. The music follows a strong inner logic.
Exciting music, played with spirit and enthusiasm by a gifted musician
who knows well tradition and has his own story to tell.

Dolf Mulder

Ein solopianistisches Gipfelwerk improvisierten Musizierens.
Ganz schwere Kost ist das, Ich liebe diese Platte!

Bertl Grisser

Das Spiel ist dicht und perkussiv wuchernd,
doch ergibt sich aus der Flut der Cluster ein hypnotischer Fluss,
bei dem die psychologische Metaebene schnell wichtiger wird als das eigentliche Spiel.
Schwerdt kommt sofort zur Sache und bleibt bis zum letzten Ton am Ball.

Wolf Kampmann

Now Oliver Schwerdt, long-term leader of the miraculous E U P H O R I U M _ f r e a k e s t r a formerly coming up with such illustrious pseudonyms as Birg Borgenthal, Elan Pauer and Ra Ra da Boff introduces himself on behalf of his civil name as a stakeholder in the art of piano solo. After his adventurous collaborations with as many as ten (!) masters of contemporarily improvised music which, form Barre Phillips to Robert Landfermann, released influential unaccompanied solo records during the currency of six decades Schwerdt‘s approach is nothing less than to perform an arc of tension lasting about three quarters of an hour – only on the keys. At the same moment the double album Prestige/No Smoking is presenting a colourful celebration of a multiplicity of jazz historical hints and philosophical excursions. In his magnificent liner notes Schwerdt tells us not only about his experience of one of the last vast rolls of Fred van Hove. He also has written a piece on the prominent role of Alexander von Schlippenbach at an almost secret concert date. Discussing the apex between the Maritime and Musical Model Schwerdt sums up with a far reaching line of the respective Deleuze/ Guattari poetry considering the continuous development of form: „it is the fusion of harmony and melody in favor of the production of properly rhythmic values, the pure act of drawing of a diagonal across the vertical and the horizontal.”

Nach seinen Kollaborationen mit zehn (!) Meistern einflussreicher unbegleiteter Solo-Platten ‒ von Barre Phillips bis Robert Landfermann ‒ präsentiert Schwerdt, der Leiter des mirakulösen Projektensembles E U P H O R I U M _ f r e a k e s t r a, seinen ersten eigenen Wurf, ganz allein an den Tasten eines Konzertflügels zu spielen. Sein Anspruch: die Dynamisierung der Ton-Folgen über einen dreiviertelstündigen Spannungsbogen zu ziehen. Entstanden ist das Doppelalbum Prestige / No Smoking, welches an eine komplexe Feier jazzhis- torischer Verbindungen sowie philosophischer Exkursionen heranreicht. In der von Bert Noglik empfohlenen Form des Begleittextes erzählt Schwerdt seinem geheimen Gegenüber von dem fesselnden Erlebnis eines der letzten großen Rolls Fred van Hoves sowie der Singularität des Alexander von Schlippenbach inmitten des zu Schwerdts Solo-Konzert-Debut versammelten Publikums. Schließlich landet dieser geschmeidige wie schnittige Fortepianist seinen Reflexionssinn entlang einer Deleuze/Guattari’schen Poesieformel zur kontinuierlichen Entwicklung der Form: sie sei „die Verschmelzung von Harmonie und Melodie zugunsten einer Freisetzung von im eigentlichen Sinne rhythmischen Werten.“

Format: 2-CD
Price: 24,99 €
ISBN: 978-3-944301-38-9
Ordering: oliverschwerdt@euphorium.de

 

Reviews:

Was muss ich da lesen? Nach dem Ende der ,großen Erzählungen‘ seien selbst beschei-denere ,Sprachspiele‘ (Wittgenstein) ((oder ,Sinnspiele‘, wie es der philosophische Gitar-rist Nicola Hein musikalisch transponiert hat)) auch keine Lösung? Sprachlosung, Quatsch, ,Sprachlosigkeit‘ droht dennoch nicht, zumindest nicht bei Dr. Schwerdt, der sich in ,Memoriabler Wechselrede‘ sogar verdoppelt, um aus dem Nähkästchen zu plaudern über Prestige / No Smoking (EUPH 053, 2 x CD) und Yamaha / Speed (Creative Sources Recordings, CS 412). Allerdings spielt er dabei als OLIVER SCHWERDT (am 2.6.2015) und sein Alter Ego ELAN PAUER (am 4.6. 2015) auch tatsächlich Doppelkopf in einem Spiegelsaal selbst- und anspielungsverliebter Reflexionen: Über Bill Evans' "Conversation with Myself", das Plattenlabel Prestige und das Prestige eines Piano-Solo-Albums. Über den Anspruch an sich selbst, "einen Dynamisierungsprozess von Ton-Folgen über den Spannungsbogen einer knappen Dreiviertelstunde zu ziehen". Über Kaffee und Fitness und Schweiß als Gleitmittel. Über Presto und Prestissimo und dessen Gegenpol, Smoke, klingende Leere, Stillstand. Über Jacques Demierres "One Is Land" (2008 auch auf Creative Sources) mit den Polen ,Sea Smell‘ & ,Land Smell‘. Über Halluzinationen auf einem Speedboat (Modell Power der slowenischen Werft Elan). Über unerkannte Akrosticha wie Elaborate Lines And Natty Pianisms Are Unerringly, Entirely Remarkable, zugeeignet durch Evan Parker. Über Cecil Taylors "Erzulie Maketh Scent" (1989), Schlippenbachs "Twelve Tone Tales" (2006) und Fred van Hoves 'Berliner Roll' (auf "Facetten: Live at Total Music Meeting 2004") als olympische Maßgaben für das eigene Bestreben. Über die deleuze-guattarische Überführung des gekerbten Raums (des Sesshaften) in den glatten (des Nomadischen), in die horizontale Vorwärtsbewegung einer Reise. Über durchdrehende Geschwindigkeit als Stillstand, als Bewegung auf der Stelle. Über den Übergang vom zählbaren zum ,glatten Zeit-Raum‘ ohne Zahl, zu Myriaden von Tönen, einem Meer von Tönen. Anthony Pateras hat das auf "Blood Stretched Out" eigenhändig vorgemacht (quasi mit Blut als Gleitmittel) und, vielhändig-virtuell, zusammen mit Chris Abrahams als "Music in Eight Octaves". Der Leipziger Olympionike ver-schweißt die motorische Intelligenz seiner Finger bei ihrem Ritt über die gerippelten Wellenkämme mit Gedankensprüngen über die Kerben und Schlaglöcher auf Nep-tunes Fluss ohne Ufer, mit Rösselsprüngen eines maritimen Rodeos. Fernab jeder Speedboatmetaphorik und mit entschieden cisatlantischer Prägung scheinen im wogenden Auf und Ab Nach- und Nachtgedanken prämotorischer Jahrzehnte mitzuschwingen: Heines wüstes Meer, Bürgers schnell reitende Tote, Peer Gynts stolpernder Taumel. Bei 'Farewell' schöpft er eine Handvoll Wehmut wie in alter Zeit. Man darf sich Schwerdts Klangräume nicht gespalten vorstellen, vielmehr geschachtelt, in sich gestaucht, gedehnt, geschäumt. Mit die am heftigst rumorenden Verdichtungen, Eruptionen, Intervallsprünge, Merkurialismen und sogar ein rigoros ostinates Einfingerdiktat finden sich im ,(lmo')‘-Part von ,No Smoking‘, wirrtuosest krabbelnde Bewegungen und equestrische Pace bei 'Yamaha' ebenso wie bei ,Speed‘. Schwert und Power, meinetwegen, aber vor allem ist er der Steuermann, der, unerringly, ein Weberschiffchen auf Kurs hält durch kabbeliges Schlingerland, durch Rossbreitrauch und Götterduft, durch Strudel, die der Kraken quirlt, auf Wogenbirg allein gestellt.
BAD ALCHEMY, Rigobert Dittmann (Bad Alchemy Nr. 95, September 2017) (201709), S.39.

An Selbstbewusstsein, gepaart mit gehöriger Distanz zu sich selbst, mangelt es Oliver Schwerdt nicht. Der Leipziger Pianist, der nebenbei ein eigenes Label betreibt, hat sich bereits mit allerhand musikalischen Partnern in der modernen Jazz-Szene umgetan. Jetzt legt er sein erstes Solo-Album vor, bestehend aus zwei CDs. Um den Hörer an die Hand zu nehmen, fühtt Schwerdt im Booklet ein fiktives Interview, (das seine Pianistik erklären soll?), mit sich selbst. Er verrät dem Leser, dass das Solo-Spiel ,eine enorme persönliche Herausforderung‘ darstellt, womit wohl keiner gerechnet hätte. Darüberhinaus, verrät Schwerdt, wollte er nicht älter als Baby Sommer bei seinem ersten Solo-Album sein. Warum nicht? Nach ,Smoke‘, dem Duo-Album mit Alexander von Schlippenbach, nun also ,No Smoking‘, das Solo-Album. Ziel war es, wird gesagt, ,die Dynamisierung der Tonfolgen über einen dreiviertelstündigen Spannungsbogen zu ziehen‘. dies gelingt dem Pianisten auf beeindruckende Weise mit hellen, klaren tönen, die sich ins Bizarre, fast Abstrakte, steigern. Selbstredend orientieren sich diese freien Improvisationen an großen Vorbildernd wie dem bereits erwähnten Schlippenbach, ,Urvater‘ (Schwerdt) Fred van Hove oder historischen Swing-Größen.// Auf einem portugiesischen Label legt Schwerdt, diesmal unter seinem Pseudonym Elan Pauer, nach mit einem weiteren Solo-Album. Es unterscheidet sich nicht groß vom Euphorium-Doppelpack: keine Standards, keine Klischees, es wird frei agiert ohne Netz und doppelten Boden. Einerseits donnern düstere Klangbilder auf ,Yamaha‘, ,Speed‘ korrigiert mit hell klingenden Motivkürzeln, die sich zu einem minimalistischen Bilderbogen fügen. Schließlich mündet alles wieder, forciert von rhythmischen Kürzeln, in dunkle, im Nichts endende Klangschwaden. Oliver Schwerdt, ganz mutig, nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er gleich drei auf einen Streich (Doppel-CD und Einzel-CD) serviert.
JAZZPODIUM, Reiner Kobe (Jazzpodium 10/2017, Oktober 2017, 66. Jahrgang) (201710), S. 68.

Ob Oliver Schwerdt die vorliegende Aufnahme tatsächlich in einem Leipziger Geschäft für Tasteninstrumente eine Stunde vor dessen Ladenöffnung hat aufnehmen lassen, oder ob auf diesem Instrument zwei Wochen später kein geringerer als Chick Corea spielte, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall hat Schwerdt ein Solowerk vorgelegt, mit dem Anspruch „ … die Dynamisierung der Ton-Folgen über einen dreiviertelstündigen Spannungsbogen zu ziehen.“ Dynamik ist im Kontext der freien Improvisation vielleicht eines der wichtigsten Aspekte. Denn die Wechselwirkung verschiedener Kräfte und Einflüsse auf die Befindlichkeit und das Verhalten des Musikers schafft, neben seiner handwerklichen Ausbildung und seines künstlerischen Könnens, die eigentliche Grundlage für sein Tun. Schwerdt spielt eine Musik des Augenblicks und alles, was er klanglich entstehen lässt, ist die für ihn logische Folge aus dem vorhergehenden. Das heißt: Der Pianist ist im Fluss. Seine Klanglandschaften sind gekennzeichnet von einer bekennenden Verinnerlichung, die etwas Souveränes vermittelt. Wenig lyrische Sequenzen, dafür mehr quergedachte Miniaturen und perkussive Splitter. Das Anarchische dieser insgesamt vier Titel entlädt sich nicht in Tontrauben, oder explodierenden Klangwogen, sondern weist einen strukturierten und sensibel durchdachten Aufbau aus. Entlegene Einfälle finden Zugang, Dissonanzen und Verdichtungen sind Teile eines Ganzen. Die Tradition spielt eine eher untergeordnete Rolle – sieht man einmal vom Einfluss Cecily Taylors ab. Hier bricht sich Individuelles Bahn, macht sich differenziert Luft und wird so zum spontanen Rausch. Hochspannung pur.
KULTKOMPLOTT, Jörg Konrad (http://www.kultkomplott.de/Artikel/Musik/#article_anchor_1255 [20171006])

De naam Oliver Schwerdt doet misschien niet meteen een belletje rinkelen, maar even googelen leert ons dat de man muziekwetenschapper en muzikant is. De baard waarmee we hem op foto’s zien, bezorgt hem een zeker Chriet Titulaer-gehalte. Was die Nederlandse televisiepresentator een promotor voor de wetenschappen, Oliver Schwerdt promoot free jazz. Hij stampte in 2003 Euphorium Productions uit de grond, waarmee hij behalve cd’s en videomateriaal ook boeken uitbrengt. Een opvallende uitgave is zijn monumentale “Große Monografie zu Günter Baby Sommer und zum Räumlichen in der Musik” over de Duitse free jazzslagwerker, vergezeld van een theoretisch kader en analytische uiteenzettingen.
Zijn kennis en begrip van de free jazz haalt Schwerdt uit theorie én praktijk. Hij is een kenner van free jazz die menig legendarisch concert bijwoonde en hij zit zelf in verschillende groepen en onder meerdere aliassen aan de piano. Als je leest met wie hij al speelde en nog speelt, mag blijken dat hij ook muzikaal iets te vertellen moet hebben. Trompettisten Axel Dörner en Wadada Leo Smith, bassist Barre Phillips, drummer Günter Sommer en rietblazer Rudi Mahall mogen daarbij tot de verbeelding spreken.
Dit jaar zet Oliver Schwerdt zich heel expliciet op de kaart van de geïmproviseerde muziek met solo-opnamen van juni 2015, nl. de dubbel-cd Prestige / No Smoking onder eigen naam en de enkele cd Yamaha / Speed onder zijn pseudoniem Elan Pauer.
In het omstandige interview met zichzelf dat hij als liner notes bij de dubbelaar schreef en dat Paul Lytton vertaalde, noemt hij een solo-album een minimale vereiste om bij de hedendaagse impro-scene te horen. De legendarische Evan Parker dichtte deze cd’s alvast adjectieven toe als opmerkelijk en gevleugeld.
Terwijl uit de liner notes behalve een pak bagage en grote eloquentie ook fijne humor spreekt (o.m. bij een inlassing van vraag en antwoord tussen geïnterviewde en vertaler), zit de finesse in de muziek niet of minder duidelijk in grappige passages – of het moet donkere humor zijn, als de pianist in de lage registers met dissonante tonen speelt.
Een duidelijker gelijkenis tussen tekst en muziek vinden we in de opeenvolging van ideeën en associaties die hoewel grillig in uitwerkingen vooral met een zekere logica op elkaar aansluiten, waarbij een breuk en een sprong voor- of achteruit niet uitgesloten zijn. Het zou wel eens kunnen dat de kenner van het genre daarbij verwijzingen vindt naar opnamen en concerten van Fred Van Hove, Cecil Taylor of Alexander von Schlippenbach - waarvan sprake in de tekst bij Prestige / No Smoking. In twee woorden samengevat staat ook de muziek van Oliver Schwerdt voor zware kost, maar weet die te intrigeren en een zekere opwinding over te dragen. Zo magisch als een van de genoemde grote voorgangers klinkt deze pianist mij nog niet in de oren, zijn gedrevenheid moet menig luisteraar een duwtje kunnen geven om terug te grijpen naar of meer te proeven van oude en nieuw free jazz of improvisatie. Deze opnamen herinneren mij op hun best aan live-optredens van o.a. Craig Taborn en Vijay Iyer.
JAZZ'HALO, Danny de Bock (http://www.jazzhalo.be/reviews/cdlp-reviews/o/oliver-schwerdt-elan-pauer-euphorium_freakestra/ [20171014])

So far we met Oliver Schwerdt two times in the Vital Weekly columns, as a member of the Old Luten
Quintet with veteran Ernst Ludwig Petrowsky. So far this ended up in two CDs released on Schwerdt’s own Euphorium-label, but another release is to be expected in this series. However Schwerdt, a German jazz musician, improviser, musicologist and journalist, from Eisenach living nowadays in Leipzig, is already in the scene for a while. In 1999 for example he started his own Euphorium Freakastra. He uses several pseudonyms like Birg Borgental, Elan Pauer and the Dada-inspired name
Ra Ra Da Boff. As a musicologist he wrote the extensive work ‘Große Monografie zu Günter Baby Sommer und zum Räumlichen in der Musik’, a theoretical work on free jazz drummer Sommer. After releasing albums on his own Euphorium label for about ten years, playing with Axel Dörner, Leo Smith, Barre Philips and many others, time has come now for a first solo effort: ‘Prestige/No smoking’, an impressive double CD-recording. Paralleled by a second solo release for the Portuguese Creative
Sources Recordings. ‘Prestige/ No Smoking’ was recorded on june 2nd, 2015 in Leipzig. Two days later the recordings for ‘Yamaha/Speed’ were made, having Schwerdt more or less in the same flow, shape and condition I suppose. Torsten Schroth excellently recorded both sessions in the same studio with Schwerdt playing on a Yamaha CFX. A first difference between the two releases: an extensive booklet
accompanies the double CD with liner notes by Schwerdt, where as these are completely absent in her other release. Liner notes have Schwerdt interviewing himself, a quasi dialogue with and by himself. Is his solo improvisation also a kind of (quasi) dialogue, or is monologue the more fitting term? One would say monologue, the more the recordings were made in the studio without the interaction with
a public. But in the end I would say the term ‘inner dialogue’ is the most descriptive one. The double CD offers two lengthy and lively piano improvisations: ‘Prestige’(41:13) and ‘No Smoking’(48:26). I don’t know if this is Schwerdt’s normal time span. But two solo improvisations of over 40 minutes is quite an exercise. Also for the listener it is a long journey. But time passed by quickly, listening to these eloquent improvisations. He propels his improvisations full-energy forward, in a playful manner. It is one continuous overwhelming stream, with changes in speed, dynamics and intensity. Moments of silence are rare. Sometimes one-hand contrasts with what the other one is doing. At other moments they supplement one other in building and weaving giant structures. References to classical music and jazz are never too obvious. For this reason I compare him with Fred van Hove, of whom I recently reviewed a duo effort with Roger Turner. Where van Hove often plays the inside of the piano, Schwerdt keeps his fingers on the piano manual, not using so-called extended techniques. While listening I never had the feeling of ‘why doing this and not something else’. The music follows a strong inner logic. Same experience I had with his improvisations on ‘Yamaha/Speed’. Improvisations are shorter here, but of a similar style. Exciting music, played with spirit and enthusiasm by a gifted musician who knows well tradition and has his own story to tell.
VITAL WEEKLY, Dolf Mulder (http://www.vitalweekly.net/1103.html [20171024])

Mit dem Doppelalbum Prestige / No Smoking legt Oliver Schwerdt ein solopianistisches Gipfelwerk improvisierten Musizierens vor – nichts weniger als das. Der promovierte Musikwissenschaftler hat sich auch auf theoretischer Ebene ausführlich Gedanken über Prozesse und Abläufe in der improvisierten Musik gemacht, und es gelingt ihm hier, dabei aufgekommene Überlegungen mit einer Stringenz und Verve, ja (bei gegebener Delikatesse) bisweilen Wucht, über den Flügel in schwingende Luftmoleküle zu transformieren, die Staunen macht. Ja, man erkennt Einflüsse, wie die von Schlippenbach, van Hove, Demierre und dem unvermeidlichen Taylor, Schwerdt transformiert diese jedoch in eine durch und durch überzeugende, hoch originelle, eigenständige solistische Sprache, die eine/n wirklich von den Socken haut. Auf den zwei Silberscheiben sind je zwei längere und zwei kürzere Tracks zu finden, ihrerseits wiederum in einige kürzere Einheiten unterteilt, dem verwendeten motivischen Material folgend musikalisch sinnfällig und dem enorm geforderten Ohr auch willkommene Verschnaufpausen verschaffend. Dennoch ist diese Arbeit, in the long run, als Ganzes zu begreifen. Schwerdt entwickelt, zunächst hauptsächlich in den mittleren Registern, aus chromatisch durchsetzten Tonfolgen eine Art abstrakte Polyphonie unerhörter Dichte. Gruppen verschiedenster Notenanzahl werden miteinander verzahnt, es entsteht ein Eindruck, der vielleicht mit dem Widerspruch „höchst zerklüftete Flächigkeit“ nicht so schlecht zu beschreiben ist. Dazu das enorme Gefühl von Geschwindigkeit durch die extreme Einzelereignisdichte. Immer wieder gibt es Zäsuren ruhigerer Art, in denen punktuell einzelne, manchmal absichtlich staksig gespielte, sparsame Motive aus nur wenigen Noten, mit Pausen geschickt kombiniert, geboten werden, man aber auch leichter Einblicke in Schwerdts rhythmische Vorgehensweise insgesamt gewinnen kann. Dazu kommen, vor allem auf der zweiten Scheibe No Smoking, zusätzlich Ausbrüche, die erschlagen und euphorisieren zugleich. Die reinste Raserei, bis in hohe und sehr tiefe Gefilde, irrwitzig Gehämmertes, Cluster, Blöcke, dahingefegendes abstrahiertes Passagenwerk, neben-, teilweise übereinander, auch mit dem Fortepedal noch zusätzlich aufgedreht, trotzdem nicht banal, rasender Wahn, aber dennoch wunderbar in die Gesamtheit dieser Musik, die nie zu platter Kraftmeierei verkommt (ganz im Gegenteil) eingebettet. Ganz schwere Kost ist das, aber hier erspielt sich einer seinen eigenen pianistischen Mount Everest. Ich liebe diese Platte!
FREISTIL, Bertl Grisser (Freistil Nr. 75, November/Dezember 2017) (201711), S. 20-21
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Der Leipziger Pianist Oliver Schwerdtist ein Improvisator alter Schule. Im Umfeld von Günter Baby Sommer und Luten Petrowsky zu Hause und von Cecil Taylor beeinflusst, improvisiert er auf ,Prestige/No Smoking‘ (Euphorium) in zwei Bögen von je rund 45 Minuten. Sein Spiel ist dicht und perkussiv wuchernd, doch ergibt sich aus der Flut der Cluster ein hypnotischer Fluss, bei dem die psychologische Metaebene schnell wichtiger wird als das eigentliche Spiel. Schwerdt kommt sofort zur Sache und bleibt bis zum letztn Ton am Ball.
JAZZTHING, Wolf Kampmann (Jazzthing November 2017-Januar 2018, Nr. 121) (201711), S. 96.

Das Solo-Album wird von vielen Pianisten als absolute Königsdisziplin ihres Instrumentes empfunden, und so hat auch der Leipziger Musikwissenschaftler und Pianist Oliver Schwerdt mit Mitte dreißig diese Aufgabe in Angriff genommen. Der Free-Jazz-Pianist hat sogar gleich ein Doppel-Album eingespielt, welches sich in die beiden Teile ,Prestige‘ und ,No Smoking‘ ‒ jedes ungefähr eine Dreiviertelstunde lang ‒ gliedert. Seine Vorbilder in diesen und anderen Disziplinen gibt Schwerdt selbst mit Cecil Taylor, Alexander von Schlippenbach und Jacques Demierre an. Im Gegensatz zu Taylor und dessen Tontrauben bevorzugt Schwerdt allerdings den einzelnen Ton, wenn auch of in rasender Geschwindigkeit aneinandergeiht. So soll der Titel ,Prestige‘ auch nicht nur Assoziationen an die gleichnamige legendäre Jazz-Schallplattenfirma auslösen, sondern gleichzeitig an die enorme Schnelligkeit, die in Tempobezeichnungen wie presto und prestissimo steckt, denken lassen. DenTitel ,No Smoking‘ dagegen erklärt der Pianist ganz lapidar damit, dass er halt zum Zeitpunkt der Aufnahme tatsächlich das Rauchen aufgegeben habe ‒ und in der Tat lässt dieser pianistische Fitness-Parcours ein wenig atemlos zurück. Wenn Schwerdt sich ungefähr in der fnfzehnten Minute auf wenigen, bedrohlich erscheinenden Tönen festbeißt, fragt man sich schon, ob er jemals aus dieser Figur wieder herausfindet. Doch natürlich st das für den Tausendsassa an den Tasten gar kein Problem. Das Doppel-Album ist eine wilde, verwegene Jagd über die 88 Tasten, bei der man sich vielleicht vorher anschnallen sollte.
JAZZTHETIK, Rolf Thomas (Jazzthetik November-Dezember 2017, Nr. 279) (201711), S. 74.