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New Old Luten Quintet:
Krawall!

(EUPH 052)

Ernst-Ludwig Petrowsky - as, cl
Elan Pauer - p, perc
John Edwards - b
Robert Landfermann - b
Christian Lillinger - dr, perc

01 Lutens letzter Krawall! (29’54)

Eine starke Produktion.
Petrowsky spielt geradezu aberwitzig,
die immense Puste, die der alte Knabe hat!

Alexander von Schlippenbach

Luten spielt hier so überzeugend,
dass dieser Krawall nichts Geringeres
als sein musikalisches Credo zu verbürgen scheint.

Günter Sommer

Vielleicht noch ein ganz persönlicher Eindruck...,
dass ich noch nie so gut gespielt habe.

Ernst-Ludwig Petrowsky

Krawall! ‒ der zweite Teil eines das Spätwerk Petrowskys als Altmeister des dynamisierten Saxofonspiels skizzierenden Tryptichons ist ein erlesenes Dokument jenes verdichteten Spiels, welches dem Quintett im Leipziger Kult-Club naTo im Dezember 2014 gelang. Faszinierend wie die beiden Top-Bassisten der Szene Robert Landfermann und John Edwards das eingespielte Trio um Petrowsky, Elan Pauer und Christian Lillinger beflügeln und mit hochkomplexen Feldern neuer Kontrapunktik flankieren oder konterkarieren. Petrowskys Meisterschaft zeigt sich so umjubelt dort, wo er aus dem All von hochgeschwinden Freiheiten seine fein überschwebenden Melodien schöpft und voller Kraft einer Unendlichkeit entlang führt, welche sich sonst nur im Atem des Liedes mitteilt. Baby Sommer schreibt im Begleittext: dieser Krawall ist „ein Fluß, der nur eine Absicht hat, nämlich zu fließen…“ ‒ das Schiff auf diesem Fluß aber, der sein Fließen erst sichtbar macht, ist der Gesang!

Format: CD
Price: 17,99 €
ISBN: 978-3-944301-36-5
Ordering: oliverschwerdt@euphorium.de

 

Begleittexte:

Lieber Olli,- ja, eine starke Produktion!Beim Tumult gings ja schon rechtheftig zu, aber hier habt Ihr noch einen draufgesetzt. Petrowsky spielt geradezu aberwitzig! Die immense Puste, die der alte Knabe hat, und seine scharfe Artikulation, dieser ,spitze norddeutsche Schrei‘, wie er selber einmal so schön gesagt hat. Da bereitet ihm die junge, aufmüpfige ,Rhythmusgruppe‘ einen fruchtbaren Boden. Mit Edwards und Landfermann hast Du zwei erstklassige Leute. Speziell bemerkenswert ist die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher formaler sowie tempomäßiger Verläufe in den ,offenen‘ Teilen. Das hätte am Anfang meinetwegen noch etwas länger gehen können, bevor es nach gut einer Minute schon mitdem schnellen Presslufthammer Free Jazz losgeht, gegen denich ja weiß Gott nichts habe. Manchmal entsteht der Eindruck, daß Dich Lillingers bekannte, ansonsten durchaus wackere ,Hyperaktivität‘ manchmal zu sehr mit fortreisst. Getrost kann man aber sagen, daß es in diesem Quintett zu einer beachtlichen Potenzierung musikalischer Energien kommt, die ‒ von den einzelnen, sehr virtuosen Instrumentalisten ausgehend, sich in einem intensiven Zusammenspiel bündeln, für Überraschungen und einen aufregenden Sound sorgen. Auch fehlt es nicht an einer kleinen Prise Humor, der aus der Musik selbst kommt. Prima! Unbedingt mit dieser Truppe weitermachen!!
Alexander von Schlippenbach

Bei Krawall zuckt man erst einmal zusammen und geht in Deckung. Krawall impliziert Aggression und wird mit der Zerstörung von Ordnung in Zusammenhang gebracht. Die Musiker des N e w O l d L u t e n Q u i n t e t s widerlegen die negative Konnotation des Wortes Krawall auf eindringliche Weise. Mit unabdingbarer Spiellust und einem zwingenden Mitteilungsbedürfnis spielen sie so, als wüßten sie genau, da ist keine Zeit zu verlieren – da ist kein Zögern oder ,na seh'n wir mal, was passiert‘. Die kurzweiligen Abschnitte der großen Improvisation sind klar strukturiert. Ein Dauerflageolett von Luten ist eine Herausforderung für Christian Lillinger, der auch keine Sekunde auf sich warten läßt. Die darauf folgende passgenaue Übernahme vom Klavier zeugt von hohem Formgefühl innerhalb der Freiheit jenes vom Quintett gewählten Raums. Den zweiten Dauerton im Flageolett macht sich Oliver Schwerdt am Flügel dann auch für ein geschicktes kontrapunktisches Agieren zu eigen. Hier wissen, fühlen und verfügen die jungen Musiker zweifelsohne über die dramaturgischen Kräfte des ,Instant Composing‘. Warten die meisten CDs mit 7 bis 12 einzelnen Stücken auf, unter denen per Klick entscheidbar ist, welches Stück man gerade hören möchte, sind im vorliegenden Krawall neun verschiedene Sätze zu einem großen Opus zusammengefaßt. Die unausweichlichen ,Suchstationen‘ dieser frei improvisierten Session sind kurzweilig. In diesen Passagen sind die Musiker im Einzelnen gut erfaßbar. Aber das Ergebnis läßt nicht lange auf sich warten und schon geht die Post wieder ab. Ganz wunderbar der Moment, wenn die ansonsten dauerhaft unermüdlich im Untergrund arbeitenden Bassisten von der ,Zulassungsstelle‘ Saxophon, Klavier und Schlagzeug freie Fahrt zur Oberfläche bekommen und das Schweigen des Trios Robert Landfermann und John Edwards die Intimität ihres bilateral zwischen Saitenbündeln strotzenden Aktionsraums eröffnen lässt. Für die Musik des ganzen Quintetts höre ich meinen alten Freund Luten als richtungsweisendes ,Alphatier‘. Ohne ihn liefe die Gruppe wohl Gefahr, sich in Vereinzelungen zu verlieren. Er selbst spielt hier so überzeugend, dass dieser Krawall nichts Geringeres als sein musikalisches Credo zu verbürgen scheint: sein spätes Bekenntnis zu einer mit ganzer Kraft improvisierten Musik. Dafür findet er bei den Jüngeren leidenschaftliche Anerkennung, befeuernde Unterstützung und ungehaltenen Respekt. Mit der Hand am Lenkrad, hörte ich diese Aufnahme zum ersten Mal. Die CD lief, ohne dass ich es merken sollte, zweimal hintereinander: als hätte es das Abspielgerät in meinem Bus gewusst, dass der Schluss eigentlich keiner ist... ‒ und hat mich unmerklich wieder in den Anfang überführt. Der herkömmlichen Ordnung hat sich dieser Krawall unterhalb der Windschutzscheibe entzogen. Diese Musik kann man einfach nicht stückhaft abspeichern. Sie ist ein Fluß, der nur eine Absicht hat, nämlich zu fließen.....
Günter Sommer

Ich muss Dir Danke sagen. Du hast uns ja immer wieder zusammengelockt und zusammengetrieben, und das hat immer den Effekt gehabt, aber gestern war das ein absoluter Höhepunkt unserer Zusammenarbeit, die in einer dermaßenen Freiheit stattfindet. Ich habe das wirklich ernst gemeint, dass das die einzige Form von Musik ist, die wirklich eine Wahrhaftigkeit hat ‒ also die freie Improvisation, die man dann noch auf diese Art..., also die beiden Bassisten mit Christian zusammen, das war ja schon eine Weltmacht, und wir durften uns in ihr tummeln ‒ neben ihr, über ihr, unter ihr..., aber auch wir beide,: Du hast ein tolles Klavier gespielt, wenn ich das mal so sagen darf. Da bin ich richtig high nach Hause gefahren. Ich dachte, ich bin im Elysium, oder wie das heißt…Ich war ja auch von meiner eigenen Rede mitgerissen, weil die Musik: ‒ zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher gibt es überhaupt keine Distanz. Alles eins. Die Leute waren mit uns eins und wir mit ihnen. Wir standen nicht auf der Bühne herum und interpretierten irgendwelche waghalsig virtuosen Stücke oder wie auch immer geartete Jazzstilistiken, sondern wir haben den kürzesten Weg von uns zu denen..., und haben das alles in einer spontanen Art spontan komponiert. Ich wollte die Band umtaufen: das Oliver-Quintett, das Edwards-Quintett... wir sind in der Beziehung austauschbar: es ist nicht eine Figur, das sind fünf Persönlichkeiten, die alle gleichberechtigt sind... Vielleicht noch ein ganz persönlicher Eindruck..., dass ich noch nie so gut gespielt habe wie gestern. Auf jeden Fall habe ich mich unheimlich gut gefühlt.
Ernst-Ludwig Petrowsky

 

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